Patina. Halle von 1986 – 1990 von Harald Kirschner

Foto: Harald Kirschner, Mitteldeutscher Verlag
Foto: Harald Kirschner, Mitteldeutscher Verlag

Ein Juwel taucht auf aus dem Nichts.

Der Fotograf Harald Kirschner fotografierte von ca. 1986 bis 1990 die Stadt Halle. Dazwischen war die Grenzöffnung.

Das führt zu einem einzigartigen Einblick in die Architektur und das öffentliche soziale Leben vorher und nachher.

Als ich das Buch durchsah erkannte ich sofort den fotografischen Schatz. Harald Kirschner hat mit dem Blick, der sozialdokumentarische Situationen erkennt, eine Stadt fotografisch festgehalten, die im Kleinen ein fotografisches Gesamtbild des sozialen und architektonischen Lebens in der DDR vermittelt.

Das hat auch damit zu tun, dass damals nicht regional sondern gesamtstaatlich Architektur, Veranstaltungen und vieles mehr umgesetzt wurden.

Und der Wechsel von einem System in ein anderes System wird somit auf einzigartige Weise dargestellt. Gerade die letzten Fotos vermitteln Welten, wenn man sieht wie auf einem DDR-Haus plötzlich ein Schild der Commerzbank auftaucht.

Jetzt sind wir mehr als 20 Jahre weiter. Wenn man bedenkt, dass die Bank vor nicht allzu langer Zeit vor dem Aus stand, dann wird auch fotografisch deutlich, daß Farbe und neue Fassaden nicht unbedingt die bessere Weiterentwicklung sind.

Aber das führt hier natürlich zu weit.

Dem Mitteldeutschen Verlag ist zu danken für dieses Buch. Es enthält unglaublich gute Fotos, die den Alltag, die Öffentlichkeit und die Welt zeigen, die die Menschen umgab.

Wer damals dort war, auf Besuch oder weil er dort lebte, wird dies sofort wiedererkennen.

Das Buch ist große Fotografie und zeigt in der kleinen Welt von Halle das, was das Leben der Menschen im öffentlichen Raum damals ausmachte.

Auch das Format des Buches passt perfekt zu der Aufbereitung der Fotos. Und sogar mit Fadenheftung!

Man geht nicht nur durch die Stadt von damals, man bekommt auch Lust, mit dem Buch in der Hand noch einmal nach Halle zu fahren und die Stadt neu zu entdecken.

Das Buch ist in meinen Augen mit seinem Erscheinen schon ein neuer Klassiker der sozialdokumentarischen Fotografie zu diesem Thema.

Zugleich ist es ein wunderbares Geschenk für Menschen, die sich für Halle, für sozialdokumentarische Fotografie oder für die DDR interessieren.

Denn die Fotos zeigen oft mehr als auf den ersten Blick zu sehen ist und das ist nicht immer negativ.

Es ist im Mitteldeutschen Verlag erschienen:

Harald Kirschner
Patina
Halle 1986–1990

112 S., geb., mit Farbabb., 16,7 x 24,0 cm
mit einer Einleitung von T. O. Immisch
ISBN 978-3-95462-063-0

About Michael Mahlke

Früher habe ich Bücher geschrieben über den Nationalsozialismus, die Gewerkschaftsbewegung, das Leben der kleinen Leute im Arbeitsleben, Ausstellungen organisiert, Lernsoftware entwickelt und Seminare zu Themen wie „Global denken vor Ort handeln“ geleitet. Nach der Grenzöffnung 1989 qualifizierte ich Menschen und half, in Umbrüchen neue Lebensorientierungen zu finden und dann wechselte ich in die industrielle Organisationsentwicklung. Oft war ich einer der wenigen, der das Sterben der Betriebe und das Sterben der Hoffnung der Menschen sah. Ich wollte nicht nur helfen sondern auch festhalten für die Nachwelt. Denn die Worte zeigten keine Gesichter und die Geschichten erzählten keine Momente, so wie ich es erlebt hatte. Wenn ich das alles damals schon nicht aufhalten konnte, dann wollte ich es wenigstens festhalten. So kam ich zum Fotografieren. Mehr hier - http://dokumentarfotografie.de/2022/09/17/der-fotomonat-und-seine-zeiten/

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