Postcards von Martin Parr

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Soziale Gebrauchsweisen der Fotografie pur – so würde ich das Buch umschreiben. Martin Parr hat einige Bücher mit Postkarten herausgegeben. Alle sind wunderbar. Dieses Buch hier hat den Vorteil, verschiedene Themen zu vereinigen.

Man sieht in gewisser Weise die Veränderung der Funktion.

Am Anfang werden Postkarten als Fotos mit Informationsgehalt verschickt über Unfälle, Unglücke.

Es sind Dokumentationen von Ereignissen, die ziemlich viel zeigen, oft wie ein Passepartout.

Dann kommen die Werbefotos hinzu: Essen, Auto, Urlaub.

Das Inhaltsverzeichnis listet verschiedene Themen auf:

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Je nach Stand der Technik wurden Postkarten für unterschiedliche Zwecke genutzt.

Im Prinzip ist das verschickte Foto von heute in sozialen Medien die elektronische Postkarte von damals, weil sie genau so viele verschiedene Zwecke erfüllt wie früher.

Am Anfang war die Postkarte fast eine monopolartige Information über Ereignisse oder Orte.

Dies erfüllen heute Ereignisfotos. Auch heute berichten sie. Nur war damals die Postkarte die schnellste Art der visuellen Verbreitung. Heute ist es das digitale, also elektronische, Foto.

Parr leistet mit seinen gesammelten und gut angeordneten Postkarten einen wesentlichen Beitrag zum tieferen Verständnis sozialer Gebrauchsweisen der Fotografie.

Und es macht einfach Lust, darin zu stöbern. Nur durch seine Art der Sammlung wird auch der fotohistorische Aspekt so gut sichtbar.

Es lohnt sich also sehr, dort ein paar Blicke drauf zu werfen.

Viele der Postkarten findet man auch bei einer Suche im Netz.

Aber es ist einfach etwas anderes, wenn ich sie gebunden und angeordnet in einem Buch sehe.

 

 

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About Michael Mahlke

Früher habe ich Bücher geschrieben über den Nationalsozialismus, die Gewerkschaftsbewegung, das Leben der kleinen Leute im Arbeitsleben, Ausstellungen organisiert, Lernsoftware entwickelt und Seminare zu Themen wie „Global denken vor Ort handeln“ geleitet. Nach der Grenzöffnung 1989 qualifizierte ich Menschen und half, in Umbrüchen neue Lebensorientierungen zu finden und dann wechselte ich in die industrielle Organisationsentwicklung. Oft war ich einer der wenigen, der das Sterben der Betriebe und das Sterben der Hoffnung der Menschen sah. Ich wollte nicht nur helfen sondern auch festhalten für die Nachwelt. Denn die Worte zeigten keine Gesichter und die Geschichten erzählten keine Momente, so wie ich es erlebt hatte. Wenn ich das alles damals schon nicht aufhalten konnte, dann wollte ich es wenigstens festhalten. So kam ich zum Fotografieren. Mehr hier - http://dokumentarfotografie.de/2022/09/17/der-fotomonat-und-seine-zeiten/

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