Warum Dokumentarfotograf kein Beruf sondern ein Mittel und eine Methode ist

Fotografen verkaufen Fotos und Reporter Ereignisse und Geschichten. Schon hier vermischt sich in der Praxis viel.

Und jetzt noch Dokumentarfotograf?

Ich habe hier in verschiedenen Artikeln meinen Weg zur Dokumentarfotografie beschrieben und den von anderen.

Bei mir (und vielen anderen) ging/geht es darum, soziale Themen und Ereignisse und Zeitabläufe festzuhalten, die für mich wichtig waren.

Ich verstehe unter dem Wort Dokumentarfotografie zuerst soziale Fotografie oder sozialdokumentarische Fotografie. Danach kommen bei mir Themen mit sozialen Auswirkungen wie unwirkliche Architektur etc.

Dokumentarfotografie war/ist also ein Mittel und eine Methode wie das Schreiben, um zu zeigen und aufzuschreiben.

Bilder und Wörter verstehe ich als Methoden des „Recording.“

Für mich war es nie Beruf sondern ergab sich, weil soziale Ereignisse und Entwicklungen wenigstens festgehalten werden sollten, wenn ich sie schon nicht verhindern konnte.

Ich war auch nie als bezahlter Auftragsfotograf unterwegs, sondern immer in eigener Mission, weil ich durch Fotos aufbewahren und zeigen wollte, was geschehen war.

Das ist für mich Dokumentarfotografie.

Mir ist die Vermarktung verkaufsfähiger Themen nicht gelungen, weil die kleinen Leute vor Ort in kritischen Zusammenhängen eben kein Verkaufsschlager werden aber dies meine Themen waren.

Von der Fotografie leben kann man nur, wenn man das fotografiert, wofür man Geld erhält und diejenigen kennt, die dafür bezahlen.

Was ich bedaure ist die Tatsache der Ausgrenzung, weil mir bewußt Zutritt und Informationen verweigert wurden und werden, da ich keinen Presseausweis erhalte. Denn den erhält man nur, wenn man hauptberuflich von Fotos lebt.

Damit werden Menschen, die als Dokumentarfotograf arbeiten, bewußt und gezielt ausgegrenzt.

So ist der Dokumentarfotograf denn auch kein Reporter oder Journalist sondern digitaler Publizist.

Wer in der Werbung arbeitet und Werbeartikel schreibt, erhält einen „amtlichen“ Presseausweis und wer sich dokumentarfotografisch privat sozialen Themen widmet, erhält keinen Presseausweis. Das sagt viel über das Verständnis von Medien und Meinungen und Macht aus.

Aber so ist die Welt hier und ich sehe keine Möglichkeit dies zu ändern. Ich kann es nur aufschreiben so wie gerade, damit es sichtbar wird in Gedanken und Fotos.

Und nun wünsche ich uns allen noch ein wenig gute Zeit auf dieser Welt.

 

 

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About Michael Mahlke

Früher habe ich Bücher geschrieben über den Nationalsozialismus, die Gewerkschaftsbewegung, das Leben der kleinen Leute im Arbeitsleben, Ausstellungen organisiert, Lernsoftware entwickelt und Seminare zu Themen wie „Global denken vor Ort handeln“ geleitet. Nach der Grenzöffnung 1989 qualifizierte ich Menschen und half, in Umbrüchen neue Lebensorientierungen zu finden und dann wechselte ich in die industrielle Organisationsentwicklung. Oft war ich einer der wenigen, der das Sterben der Betriebe und das Sterben der Hoffnung der Menschen sah. Ich wollte nicht nur helfen sondern auch festhalten für die Nachwelt. Denn die Worte zeigten keine Gesichter und die Geschichten erzählten keine Momente, so wie ich es erlebt hatte. Wenn ich das alles damals schon nicht aufhalten konnte, dann wollte ich es wenigstens festhalten. So kam ich zum Fotografieren. Mehr hier - http://dokumentarfotografie.de/2022/09/17/der-fotomonat-und-seine-zeiten/

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