Kameras sammeln ist ein Hobby so wie das Sammeln von Büchern oder Uhren oder Taschen oder, oder, oder.
Echte Sammler sind wohl glückliche Menschen.
Und wer Kameras sammelt, um zu sammeln, der kann nichts verdienen außer ungebrochener Freude am Sammeln.
Dann hat Sisyphos sein Glück gefunden.
„Unvergeßlich war mir der Anblick: dies frohe Gesicht des weißhaarigen Greises da oben im Fenster, hoch schwebend über all den mürrischen, gehetzten, geschäftigen Menschen der Straße, sanft aufgehoben aus unserer wirklichen widerlichen Welt von der weißen Wolke eines gütigen Wahns. Und ich mußte wieder an das alte, wahre Wort denken – ich glaube, Goethe hat es gesagt: Sammler sind glückliche Menschen.“
So Stefan Zweig in Buchmendel.
Nun denn. In digitalen Zeiten sind viele meiner gesammelten digitalen Kameras schon kaputt. Nicht nur durch Nutzung sondern durch eingebauten Verfall, die Obsoleszenz. Diese Kameras muß man entsorgen, weil sie einfach nicht repariert werden können. Sensoren, Elektronik, zerfallene Bauteile. Das war dann wohl nichts.
Aber es gibt eben auch die Perlen der Freude.
Da finden sich vielfach die guten Arbeitstiere unter den Kameras. Vom Design her ist Lumix oft fein und neuerdings Fuji. Aber es gibt natürlich noch mehr. Ich habe auch Ricoh und Olympus als starke Vertreter.
Retro rockt oder Retrolens oder wie auch immer.
So gibt es unter den gebrauchten Kameras, die mit der Intelligenz und dem Erfindungsreichtum kluger Designer und Ingenieure entstanden sind, wirkliche Schätze für das Fotografieren mit Freude.
Bilder im Kopf! – Aber wer zieht schon die Grenze zwischen Gebrauch und Leidenschaft?
Ich kenne längst nicht alle und alles aber mein Kosmos ist schon sehr inspirierend.
William Eggleston hatte über 300 Leica M Kameras.
Das ist speziell. Heute wären eher Olympus oder Fuji dabei, wenn es um Gebrauchswaren und Gebrauchtwaren geht.
Hinzu kommen je nach Geldbeutel noch die Leica Sammeleditionen, aber die sind ja nicht zum Fotografieren sondern Wertanlagen…
Ich habe mir neben MFT Kameras seit ihrem Erscheinen 2011 ein paar Modelle aus der Fuji X100 Serie gekauft. Aber da auch nur die, die eine echte Veränderung hatten und zusätzlich Kameras, die vom Design her fein sind.
Und dies alles hat nun zu einem für mich riesigen fotografischen Buffet geführt, von dem alles noch schmeckt. Aber man kann sich ja nur satt essen. Und man kann immer nur mit einer Kamera fotografieren.
Aber die Freude am Appetit ist immer noch da.
Doch die Sterblichkeit setzt Grenzen. Was ich habe, auch an Büchern zur Dokumentarfotografie, wird nach meinem Tod in alle Winde verweht. Das sieht man, wenn eine Sammlung von Leica Kameras auf ebay versteigert wird oder wenn nach dem Tod eine Bibliothek komplett aufgelöst wird.
Wen interessiert es? Nichts bleibt, selbst die Pyramiden, die den Pharaonen ein Denkmal für die Ewigkeit setzen sollten, sind nur noch Trümmerhaufen.
Und so ist man mittendrin im Leben statt nur dabei.
Danach ist Schluß und du bist wieder da, wo du vorher warst.
Aber die Sammelleidenschaft ist eine Eigenschaft, die Leiden schafft und zugleich unendliche Freude.
Entdecken, verstehen und sehen, daß nichts bleibt und damit leben ist der Kreis, in dem du dann Sisyphos triffst und „Hallo“ sagst…
Text 1.1







