Digital Fotografieren im Leben

Ich traf vor einigen Jahren Saul Leiter und Thomas Hoepker in Berlin.

Mittlerweile sind beide verstorben. Natürlich war ich nicht der einzige Teilnehmer. Aber es gab die Gelegenheit zum längeren Gespräch. Thomas Hoepker trug damals eine Fuji X10 über der Schulter. Er sagte mir, er sei froh, daß die Zeit der analogen Fotografie vorbei sei. Und dann philosophierten wir über die Einfachheit und Haptik der Fuji X10, die damals vor der Fuji X100 auf dem Markt war.

Bei Saul Leiter war die Sache noch anders. Es war sehr erhellend.

Er nutzte alles, was damals von Panasonic zu bekommen war, egal ob kleine oder große Kamera, hauptsache digital und praktisch.

Ich fand mein eigenes fotografisches Tun im Handeln dieser beiden Personen wieder.

Für mich waren die damaligen Gespräche sehr lehrreich. Allerdings blieb ich immer ein Amateurfotograf aus der Provinz, einer Provinz, die einem nichts zu geben mag außer vielleicht familiären Bindungen oder als Ort der Arbeit.

Aber auch die große Welt ist immer provinziell, nur eben medial vergrößert.

„Soziale Aufmerksamkeit mit einzelnen Fotos bekommt man, wenn man Orte fotografiert, die im kollektiven Bild-Gedächtnis der Menschen sind.“

Das ist das Geheimnis jenseits der Provinz.

Insofern ist die eigene Welt auch immer die große Welt, nur eben landschaftlich und sozial verschieden in ihrer Ausprägung, zumal wir letztlich alle Menschen sind und der eigenen Sterblichkeit nicht entkommen, ja sie selbst durch das Sterben bei Anderen nicht überwinden.

Diesen Kampf verlieren wir alle, egal wie reich und berühmt, der Eine war vorher mehr in der Sonne, der Andere mehr im Regen.

Die Fotografen, die mich prägten, sind nun alle verstorben, was bleibt sind ihre Sichtweisen.

Die Technik ist schon weiter ohne besser zu sein.

Aber die Welt bleibt wie sie ist.

Damit muß man leben bis man selbst dran ist.

Wer das nicht kann, muß vorher gehen.

Das hat Albert Camus richtig erkannt.

Dabei lohnt auch ein Blick auf Stefan Zweig.

Insofern kann Sonne, kann Licht sehr hilfreich sein: „Das Elend hinderte mich zu glauben, dass alles unter der Sonne und in der Geschichte gut sei; die Sonne lehrte mich, dass die Geschichte nicht alles ist.“

Und dann ist Ostern  die richtige Zeit, um daran wieder mal zu denken.

Denn es ist so wie es Schopenhauer auf den Punkt gebracht hat:

In diesem Sinne!

About Michael Mahlke

Früher habe ich Bücher geschrieben über den Nationalsozialismus, die Gewerkschaftsbewegung, das Leben der kleinen Leute im Arbeitsleben, Ausstellungen organisiert, Lernsoftware entwickelt und Seminare zu Themen wie „Global denken vor Ort handeln“ geleitet. Nach der Grenzöffnung 1989 qualifizierte ich Menschen und half, in Umbrüchen neue Lebensorientierungen zu finden und dann wechselte ich in die industrielle Organisationsentwicklung. Oft war ich einer der wenigen, der das Sterben der Betriebe und das Sterben der Hoffnung der Menschen sah. Ich wollte nicht nur helfen sondern auch festhalten für die Nachwelt. Denn die Worte zeigten keine Gesichter und die Geschichten erzählten keine Momente, so wie ich es erlebt hatte. Wenn ich das alles damals schon nicht aufhalten konnte, dann wollte ich es wenigstens festhalten. So kam ich zum Fotografieren. Mehr hier - http://dokumentarfotografie.de/2022/09/17/der-fotomonat-und-seine-zeiten/

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